Nach 27 Jahren übergebe ich die Verantwortung für den Reyerhof-Laden in andere Hände

und blicke ich auf diese Zeit vor allem mit Dankbarkeit zurück.

Diese Dankbarkeit hat viele Facetten und ist mit vielen Menschen verbunden, denen ich

in dieser Zeit im gemeinsamen Tun begegnet bin. Wenn ich daran denke, wie wir zu Beginn einfach Kisten auf Biertische gestellt haben, mit einer Waage gewogen haben, wo man noch von Hand von einem Wägebereich zum anderen umstellen musste und die abgelesenen Preise von Hand auf Zettel geschrieben hat, um sie dann im Kopf zusammenzurechnen – dann wird mir wieder deutlich, wie einfach wir begonnen haben. Insofern bin ich dankbar darüber, welchen Lernweg ich beschreiten durfte. Ich habe im Verkauf unserer Erzeugnisse, die Möglichkeit entdeckt, einen eigenen Bereich zu gestalten und zu entwickeln, mit dem ich die Weiterentwicklung des gesamten Hofes unterstützen konnte. Auch für diese Gestaltungsmöglichkeit bin ich dankbar.

 

Von Anfang an haben wir neben den eigenen Erzeugnissen auch andere mitverkauft. Dazu

gehört das Gemüse von Schäfers vom Michaelshof in Echterdingen, mit denen uns

eine inzwischen jahrzehntelange Freundschaft verbindet. Von ihnen haben wir viel gelernt, auch was die Qualität des Gemüses anbelangt. Und das Handelskontor Willmann versorgt uns nun schon 30 Jahre mit allem Obst und Gemüse und Milchprodukten, die wir nicht selbst haben. Dieser Großhändler hat uns ermöglicht, über die Waren, die wir erhalten, Beziehungen zu vielen

Erzeugern zu knüpfen. Ich erinnere mich noch gerne an die Reise zu den Demeter-Bauern von Salamita auf Sizilien. Andere enge, langjährige Beziehungen bestehen zu einigen Kollegen: so zum Beispiel zur Familie Schmid, von denen wir die Demeter-Eier beziehen und viele Jahre

hervorragendes Geflügel genossen haben. Die Qualität der Beziehungen zeigt sich auch daran, dass wir die Entwicklung so manchen Produktes mit gestalten durften.

Anne Dorer von der Eselsmühle und Gabriel Bettinger von der Karl-Schubert-Bäckerei backen

seit vielen Jahren beste Demeter Backwaren mit immer neuen Ideen.

 

Eine große Bereicherung hat die Eröffnung des Bistros mit sich gebracht. Nicht nur dass

die Ladenöffnungszeiten seither durchgehend sind, sondern vor allem das gemeinsame Gestalten unseres Selbstverständnisses als Ort der Landwirtschafts- und Esskultur. Detlef hat uns jahrelang mit herrlichem Essen versorgt und einen unschätzbaren Beitrag zu unserer Festkultur geleistet. Diese Zeit, die so manche Herausforderung mit sich brachte, bleibt als wichtige Etappe in der Geschichte des Reyerhof in dankbarer Erinnerung. Irmi und

Johanna haben ehrenamtlich diese Qualität der Gastfreundschaft mit den samstäglichen Frühstücken wieder aufleben lassen.

 

Dankbar bin ich vor allem den Menschen, die als Mitarbeitende diese Entwicklung erst

ermöglicht haben. Viele langjährige Mitarbeitende tragen zur beständigen Qualität

und zu einer angenehmen Atmosphäre bei. Ich erlebe dies als einen ständigen gemeinsamen Lernweg.

Besonderen Dank an Sabine, die schon über 25 Jahre immer gern in Laden zum arbeiten kommt

und Doris,die inzwischen auch schon über 15 Jahre dabei ist!

Neben diesem beständigen Element fordern uns die wechselnden studentischen Mitarbeitenden zu fortwährender inhaltlicher Vermittlung heraus. Sie ergänzen die Stamm-frau-schaft durch ihre flexible Einsatzbereitschaft gut. Und der Reyerhofladen ist eine geheime Kaderschmiede, was man an den erfolgreichen Karrieren von Isabell, heute in der Geschäftsleitung von Spielberger und Maria, heute im internationalen Rohwareneinkauf bei Wala ablesen kann.

Dank empfinde ich auch besonders für Syreeta , die nach zweijähriger Ladenmitarbeit

bereit ist, die Verantwortung für den Laden zu übernehmen.

 

Last but not least – ein großer Dank an alle unsere Kunden.

Die Treue und Wertschätzung, die Sie uns entgegenbringen, waren und sind mir immer Antrieb. Ich bin dankbar für all die Beziehungen, die sich in all den Jahren bilden konnten. Wie ich das Gedeihen und Aufwachsen vieler Kinder erleben konnte, an so manchem Schicksal Anteil nehmen konnte.

Wenn ich mich frage, woher die Kraft kam, diese Aufgabe täglich all diese Jahre durchzutragen

ohne krank gewesen zu sein, dann hängt das sicher mit der von mir erlebten Sinnhaftigkeit zusammen. Der Umgang mit gesunden Lebensmitteln und die Wertschätzung und Anerkennung …

Als meine Eltern in den 50er Jahren diesen Weg eingeschlagen haben, war ihnen die

Anerkennung lange verwehrt geblieben. Sie waren sich aber ihrer Sache sicher und haben das trotz mancher Rückschläge durchgetragen. Mein Vater hat immer von „der Sache“ gesprochen.

Und so hoffe ich, dass es weiterhin gelingt, dass der Reyerhof mit seinem Laden ein Ort

bleibt, an dem die Werte, die wir versucht haben zu leben, lebendig bleiben.

Dazu möchte ich aus meiner veränderten Rolle heraus weiter beitragen.